Der Bandscheibenvorfall

Osteopathische Betrachtungsweise zu einem Bandscheibenvorfall


6 Tipps für gesunde Bandscheiben

Die Bandscheibe

Ein Bandscheibenvorfall kann nahezu an jeder Stelle der Wirbelsäule auftreten. Zwischen den Wirbelkörpern eines Menschen liegen die Bandscheiben.  Eine Bandscheibe ist eine runde/ovale Struktur. In der Mitte der Bandscheibe ist ein Kern. Dieser besteht zu einem hohen Prozentsatz aus Wasser. Bandscheiben dienen unter anderem als Stoßdämpfer und sorgen für Beweglichkeit der Wirbelsäule. Außerdem halten Bandscheiben die Spannung auf die Bänder der Wirbelkörper aufrecht und vergrößern insgesamt die Stabilität und vor allem die Beweglichkeit der gesamten Wirbelsäule.

Eine Bandscheibenvorwölbung wird auch „Protrusion“ genannt.

Der Vorfall

Von einem Bandscheibenvorfall „Prolaps“ spricht man, wenn Bandscheibenmaterial austritt. Dies kann mitunter Nervengewebe irritieren und Schmerzen oder Missempfindungen, wie Taubheitsgefühl oder Ameisenlaufen verursachen.

Symptome sind weitreichend, von Rückenschmerzen und Nervenstörungen oder gar Ausfallerscheinungen. Bei Ausfallerscheinungen sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden. Wie zeigen sich solche Erscheinungen? Wenn Sie ihr Bein nicht mehr „ansteuern“, also willkürlich bewegen können oder beim Gehen einfach einknicken. 

Ein Bandscheibenvorfall sollte stets schulmedizinisch abgeklärt werden. Bei einem Verdacht, werde ich stets spezielle Tests anwenden, um einen Bandscheibenvorfall erstmal ausschließen zu können. Das sicherste Verfahren beinhaltet allerdings Röntgen, CT oder MRT. 

Bandscheibenvorfälle können auch als Zufallsbefund in Erscheinung treten. Nicht jede Veränderung an der Bandscheibe muss dringend deutliche Symptome verursachen. In erster Linie ist es wichtig, die Kraftlinien der Wirbelsäule zu analysieren. In welchen Wirbelsäulensegmenten ist viel Beweglichkeit möglich und in welchen Bereichen ist die Bewegung eingeschränkt? Wo liegen muskuläre Verspannungen? Oft wurden schon lange vor einem Bandscheibenvorfall die Wirbelsäulensegmente darüber oder darunter in Mitleidenschaft gezogen. Wichtig ist immer eine Prüfung umliegender Strukturen auf Spannung. In der Osteopathie bekommen hierbei die Strukturen zur Geltung, welche wie Netze im Körper gespannt sind. Dazu gehören zum Beispiel das Zwerchfell und der Beckenboden. 

Bandscheibenvorfall und Wasser, welches auch in der Bandscheibe vorkommt.

6 Tipps für gesunde Bandscheiben

1. Die beste Sitzhaltung ist die Nächste!

Ich werde oft gefragt, welche Sitzhaltung die beste ist. Meine Antwort ist immer gleich: „Ihre nächste Sitzhaltung ist die beste!“ Die Kinder, welche im Unterricht motorisch eher unruhig sind, haben es unbewusst genau richtig gemacht. Ihre Bandscheiben ernähren sich am besten durch Druck und Zug von Muskulatur und Gelenk. Somit versuchen Sie einfach so oft es nur möglich ist, die Sitzhaltung zu ändern. Es sind keinerlei Grenzen gesetzt. 
 

2. Rauchen Sie weniger!

Laut einem Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt sind rauchende Menschen schmerzempfindlicher als Nichtraucher.

3. Verzicht/Reduzierung von Zucker

Zucker ist eine aggressive Substanz, welche zu einem Säureanstieg im Gewebe führt. Aus meiner Erfahrung war der Muskelkater nach einer schweren Übungseinheit bei häufigerem Zuckerkonsum viel schmerzhafter und lang anhaltender. In einer Fastenwoche hatte ich kaum Muskelkater, trotz gleicher Trainingsintensität.

4. Hängen Sie sich aus!

Der Rücken ist ständigem Druck ausgesetzt. Unser Alltag findet überwiegend stehend oder sitzend statt. Suchen Sie sich einen Türrahmen, einen Ast oder ein Klettergerüst. Hängen Sie mal richtig ab.  Führen Sie dies mehrmals in der Woche durch.

5. Wechseln Sie Ihre Sportarten!

Einseitige Belastungen führen immer zur Asymmetrien im Körper! Bei unterschiedlich ausgeprägter Muskulatur kann sich das negativ auf Ihren Rücken und somit auf die Bandscheiben auswirken. Wenn Sie beispielsweise viel Rennrad fahren, dann sollten Sie dazu noch Yoga oder Gymnastik durchführen, um die ständig arbeitenden Hüftbeuger zu dehnen und um den „Rennradrücken“ zu entspannen. 

6. Denken Sie an den Musculus Psoas Major!

Der stärkste Hüftbeuger hat seine Muskelansätze an den  Bandscheiben der Lendenwirbelsäule. Wenn dieser Muskel verkürzt, abschwächt oder zu stark wird, dann führt dies zu einem Ungleichgewicht in dieser Bandscheibenregion. Am meisten benötigt dieser Muskel ein vollumfängliches Dehnprogramm – fragen hierfür einfach Ihren Therapeuten.

Quellenangaben:

  • Frans Van den Berg – „Das Bindegewebe des Bewegungsapparates verstehen und beeinflussen“ –  2011 Georg Thieme Verlag KG – Stuttgart
  • Seite „Bandscheibe“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. Februar 2019, 13:50 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bandscheibe&oldid=185586103 (Abgerufen: 16. August 2019, 15:52 UTC)

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